In unserer fünfteiligen Serie zum Feedback haben wir häufige Irrtümer, Tipps und praktische Beispiele zum Geben von Rückmeldungen zusammengestellt. Was Videofeedback ist und wie man es effektiv im Training einsetzen kann, möchten wir in diesem Artikel zeigen.

Was ist Videofeedback?

Videofeedback meint klassischerweise, dass eine Aktion gefilmt und dann zeitverzögert wieder abgespielt wird, um dem Übenden ein genaues Bild über seine gerade ausgeführte Bewegung rückzumelden. Das Video lässt sich – je nach zur Verfügung stehender Technik und Software – dann im Training zur

Was ist grundsätzlich zu beachten?

Einfach eine Kamera aufstellen und los geht’s? Ganz so einfach ist es dann aber noch nicht. Damit Videofeedback erfolgreich eingesetzt werden kann, sollten verschiedene Aspekte beachtet werden:

  1. Nur Videos anzuschauen, bringt nichts: Wenn man den SpielerInnen nach einer Aktion einfach unkommentiert eine Wiederholung ihrer Bewegung auf Video zeigt, hat es keinen Vorteil gegenüber mündlicher Korrektur – im Gegenteil: Teilweise kann das Lernen dadurch sogar behindert werden, zusätzlich zu dem Aufwand, den Videofeedback mit sich bringt (Kernodle & Carlton, 1992). Einen Angriffsschlag aufzunehmen und zeitversetzt auf einem Fernseher ohne Weiteres abzuspielen, lohnt sich also so nicht!
  2. Lenke die Aufmerksamkeit: Videofeedback kann dann erfolgreich eingesetzt werden, wenn die Aufmerksamkeit der Lernenden auf bestimmte Teile der Bewegung gelenkt ist (Guadagnoli, Holcomb & Davis, 2002). Wenn man den Angriffsschlag aufgenommen hat, sollten sich TrainerInnen die Zeit nehmen, um Hinweise zur Technik zu geben. Während man das Video anschaut, sollt den SportlerInnen beispielsweise gesagt werden, dass auf den Armzug nach dem Absprung geachtet werden soll. Dadurch erfolgt die Konzentration auf genau diesen Teil der Bewegung und mögliche Fehler im Video können erkannt werden.
  3. Nenne Beobachtungsschwerpunkte: Wenn die SportlerInnen selbstständig mit Videofeedback arbeiten sollen, bietet es ich auch an, Beobachtungsschwerpunkte zu setzen. Als TrainerIn kann beispielsweise der Auftrag gegeben werden, dass die SpielerInnen bei jeder Aktion auf den Armzug im Angriffsschlag achten sollen. Wichtig ist, dass die SportlerInnen die Technik oder zumindest den Teil der Technik, an dem sie arbeiten sollen, gut kennen: Vermittle daher den SportlerInnen vorher, wie denn ein guter Armzug sein sollte – beispielsweise, dass der Schlagarm auf Schulterhöhe zurückgeführt werden soll.

Zu beachten ist, dass der Einsatz von Videofeedback vor allem im Jugendbereich zunächst etwas Besonderes ist und viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch wenn sich die Aufregung rund ums Sich-auf-Video-Sehen legen wird, empfiehlt es sich trotzdem, zu Beginn klare Anforderungen und Regeln festzulegen. Letztendlich soll es den SportlerInnen helfen, sich weiterzuentwickeln – Voraussetzung dafür ist aber, dass sie konzentriert mitarbeiten.

Checkliste: Was brauche ich dafür?

Um Videofeedback einsetzen zu können, bieten sich ganz verschiedene Möglichkeiten an. Neben verschiedener Hardware ist insbesondere für direkte zeitverzögerte Wiedergabe zusätzliche Software nötig.

  1. Kamera: Zum Aufnehmen brauchst du irgendein Aufnahmegerät. Eine Webcam ist sehr kostengünstig und kann diesen Zweck erfüllen – allerdings haben Webcams meist eine schlechte Auflösung oder können nicht weiter als zwei Meter scharf fokussieren – problematisch, wenn die ganzkörperliche Bewegung des Angriffsschlags aufgenommen werden soll. Darüber hinaus bietet sich jegliche Art von Kamera an, die in den meisten Fällen mit Speicherkarten arbeiten, wodurch eine Live-Widergabe schwierig ist. Neuere Kameras und viele Action-Cams ermöglichen in den meisten Fällen beides: Streaming und Speicherung auf SD-Karten. Aber auch Kameras von Tablets und Smartphones bieten sich durch gute Apps auch sehr an, wie wir später sehen werden.
  2. Fernseher, Beamer oder Laptop: Wenn man die Bewegung direkt zeitverzögert wiedergeben möchte, bieten sich Fernseher oder Beamer in der Halle an, mit denen die eben durchgeführte Bewegung mit wenigen Sekunden Verzögerung direkt gezeigt kann. Wenn man die Videoclips jeder SpielerIn einzeln zeigen möchte, geht das auch bequem über einen Laptop.
  3. Programme: Je nach verfügbarer Technik eignen sich bestimmte Programme. Die teuerste Variante, vor allem von professionellen Vereinen eingesetzt, ist wahrscheinlich DataVideo/DataVolley, ein kostenpflichtiges Programm, das insbesondere im Bereich des Scoutings eingesetzt wird. Einige Kameraanbieter bringen ihre eigene Software mit, wie beispielsweise GoPro. Aber auch kostenpflichtige und kostenlose Apps für das Handy können Videos zeitverzögert wiedergeben, wie beispielsweise Coaches Eye oder VideoDelayInstantReplay. Eine kleine Übersicht findest du unten.

Was nehme ich? Was setze ich ein?

Bleibt die Entscheidung, welche der Möglichkeiten du nutzen möchtest, ist diese von einigen Fragen abhängig, wie beispielsweise:

  • Welche Materialien stehen mir zur Verfügung? Habe ich einen Fernseher oder Beamer?
  • Wie viel Geld steht zu Verfügung? Kann sich der Verein kostenpflichtige Programme anschaffen?
  • Wie ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis?
  • Bringt das Videofeedback meine SpielerInnen weiter oder werden sie unkonzentriert?
  • Habe ich ausreichend Zeit, Videofeedback auch regelmäßig einzusetzen? Ist es schnell auf- und abzubauen?
  • Vernachlässige ich eventuell andere Dinge, wenn ich mich auf das Feedback konzentriere?

Je nachdem, wie ihr diese Fragen für euch beantwortet, können sie euch helfen, eine Entscheidung zu treffen. Und wie immer gilt: einfach probieren!

Im nächsten Teil der Serie stellen wir euch ein konkretes Beispiel eines Videofeedback-Arrangements vor.

Literatur

Weiterführende Lehrbücher und Buchkapitel

Magill, R. A. (2007). Motor Learning and Control (8th edition). New York, NY: McGraw-Hill.

Munzert, J. & Hossner, E.-J. (2008). Lehren und Lernen Sportmotorischer Fertigkeiten. In J. Beckmann & M. Kellermann (Hrsg.). Enzyklopädie der Psychologie: Sportpsychologie – Band 2: Anwendungen der Sportpsychologie (S. 177-255). Göttingen: Hogrefe.

Schmidt, R. & Lee, T. (2011). Motor Control and Learning (5th edition). Champaign, IL: Human Kinetics.

Hinweis: Der Text basiert insbesondere auf diesen drei Lehrbüchern und Lehrbuchkapiteln. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurden nur die spezifischen Einzelstudien zitiert – der Text als Gesamtes baut aber auf eben diesen genannten auf.

Einzelnachweise

Guadagnoli, M., Holcomb, W. & Davis, M. (2002). The efficacy of video feedback for learning the golf swing. Journal of Sport Sciences, 20(8), 615-622.

Kernodle, M. W. & Carlton, L. G. (1992). Information Feedback and the Learning of Multiple-Degree-of-Feedom Activities. Journal of Motor Behavior, 24(2), 187-195.

Über den Autor
Norman Hüttner ist A-Trainer und Mitglied im Bundesausschuss Bildung und Wissenschaft des Deutschen Volleyball-Verbands.

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